Die Hedemer Windmühle
21.10.2011
Diese holländische Windmühle
steht am Ausgang des Dorfes Richtung Lashorst auf der Südseite der Lübbecker
Straße so ziemlich auf der höchsten Erhebung, nämlich 54 m über Null und wurde im Volksmund "Klusstätte"
genannt.
Müller Casper Heinrich Niederbremer aus Muckum und Catharine Louise Nobbe
hatten von dem Landwirt Wiehe Nr. 5 Hedem ein Stück Ackerland in Größe von
2500 m2 erworben und ließ sich 1879 an der Straße ein
Wohnhaus und 60 m südlich eine Windmühle errichten mit der Hausnummer 50.
Friedrich Finke Nr. 5 erinnerte sich, das im Türbogen der Mühle der Name des
Erbauers und das Erbauungsjahr in römischen Ziffern eingekerbt ist. Der Text und die Zahlen
sind jedoch heute nicht mehr zu erkennen. Die Mühle hatte 2 verschiedene
Flügelpaare; denn das eine war mit Blechklappen ausgerüstet, die je nach
Windstärke verstellt werden konnten und auf das andere wurde ein Lacken
(Leinen) gezogen. Er drehte sich nicht mittels einer Windrose, sondern wurde per
Hand bewegt, damit die Flügel im Wind standen. Mit 2 Ketten, die um Pfähle
gelegt wurden, hielt man den Mühlenkopf fest. Die Mühle war mit 2 Mahlgängen
ausgestattet für die Herstellung von Viehfutter sowie für Mehl zum Brot- und
Kuchenbacken. Feinmehl wurde mittels einer mit Leinen bespannten Trommel
hergestellt. Aus einer Meldung des Amtes
Alswede geht hervor, das Niederbremer ausgebildeter Müller und seit 1870
selbständig war. Er hatte zuvor die Ellerburger Mühle in Fiestel
gepachtet und bis Ende 1879 bewirtschaftet. Hier ist auch sein späterer
Nachfolger Heinrich Niederbremer geboren. Sein Bruder Wilhelm Niederbremer wurde
in Hedem geboren und hat Zeit seines Lebens Vater und Bruder in der Mühle und
der Landwirtschaft geholfen. Die Mühle war seit 1905 mit einer Lokomobile ausgerüstet.
Heinrich Niederbremer hat nach der Ausbildung als
Müller in der Senne eine Mühle gepachtet und dort Auguste Rathing
geheiratet. Um 1910 übernahm er den väterlichen Betrieb. Er wurde im I.
Weltkrieg eingezogen und seine Frau Auguste machte den Betrieb weiter. Ab 1920 wurde auch mit Dünge- und Futtermittel gehandelt.
1921 ist der Erbauer Casper Heinrich Niederbremer
gestorben. Die Töchter
von Heinrich Niederbremer waren Liesbeth und Emmi. Der Mühlenkopf war bis 1948
vorhanden. Emmi erbte den Betrieb und
heiratete den Tischler Heinrich Nolte, der 1955 verstarb. Sie hatte 2 Söhne
Wolfgang und Gerhard. Gerhard erlernte das Müllerhandwerk bei Fritz Meier in
Rahden. Emmi Nolte heiratete den Tischler Robert Gogolin, der das Geschäft
weiterführte. Gogolin führte
auch den Handel mit festen Brennstoffen ein. Die Mühle war noch bis etwa
1960 in Betrieb. Das Geschäft wurde 1968 an den
Landhändler Fritz Meier verkauft und Familie Gogolin zog nach Lübberstedt in
die Lüneburger Heide. Emmi verstarb 1977 und das Anwesen übernahm Gerhard
Nolte. Er baute an die Mühle eine Wohnung an und starb 2005. Sein Sohn Peter
erbte das Grundstück und verkaufte die Mühle im Herbst 2008 an Schmidt / Vinke. Der konische Turm aus Sandsteinquadern ist heute noch
weithin sichtbar.
Heinz Kielhorn
Die Gutswassermühle des
Rittergutes Hollwinkel
Diese
Wassermühle wurde von der Großen Aue gespeißt.1721 wurden auf Befehl König
Friedrich Wilhelm I. alle Mühlen katatstermäßig erfasst. Für Hollwinkel
wurden zwei Wassermühlen angegeben. Sie gehörten der Frau von Gehle vom
Schloss Hollwinkel. Eine von den Mühlen war die Gutsmühle und die andere die
Wassermühle im Hedemer Holz. Weitere aktenkundliche Erwähnungen finden sich im
Jahr 1737 in der "Hollwinkelschen Haubt Rechnung", wo die Einnahmen
aus der Wassermühle beziffert werden, denn wie alle adeligen Mühlen war
auch diese stets verpachtet. Pächter war in diesem Jahr der Müller Friedrich
Pohlmann.
Im Jahr 1800 wurde die Hollwinkler Wassermühle neu erbaut, denn der Torbalken
weist die Jahreszahl "Juli 1800" aus. Die Große Aue floss unter dem
Mühlengebäude her. Vielfach kam es in Hedem durch den Fluss zu
Überschwemmungen. Dies war einmal durch den Zickzacklauf bedingt, mit dem die
Große Aue die Hedemer Gemarkung durchfloss, zum anderen aber auch durch die oft
eingefrorenen Stauschütten der Hollwinkler Mühle. Beide Faktoren führten
besonders bei plötzlicher Schneeschmelze zu starken Stauungen, so dass sich das
Wasser in die Senke an der Alsweder - Hedemer Landstraße ergoss. Mehrere
ungünstig wohnende Familien mussten dann unangenehme Bekanntschaft mit den
Wassermassen machen.
Mit der Regulierung der Großen Aue im Jahre 1970 / 71 war dieser Übelstand
abgeholfen, da das Auebett begradigt und verlegt wurde. Dadurch wurde aber auch
der Hollwinkler Wassermühle die Antriebsquellen entzogen, so das das ehemalige
Mühlengebäude heute kaum noch als solches erkennbar ist. Heute ist es ein
einfach schönes restauriertes Wohnhaus.
Die
Hollwinkler Ölmühle oder Piepers Mühle Home Hollwinkel
Diese Mühle ist eine der
beiden Wassermühlen, die 1721 in einer auf Befehl des preußischen Königs
Friedrich Wilhelm I. aufgestellten Mühlenverzeichnis als zu Hollwinkel
zugehörig gemeldet wurde. Es scheint 1737 eine Ölmühle gewesen zu sein, denn
in der "Hollwinkelschen Haubtrechnung de Michaelis 1737 biß dahin
1738" wird sie als solche bezeichnet. Pächter sind die Müller Kröger und
Asselmeier.
Die Wassermühle wurde von der Großen Aue angetrieben und lag im Hollwinkler
Holz. In der topografischen Karte Westfalens 1841 - 1858 wird sie als "Hollwinkler
Mühle" bezeichnet.
Die Mühle war stets verpachtet. 1905 wurde die Getreidemahl- und die Ölmühle
an den Müller Pieper verpachtet. Da der Stau nicht mehr aufrecht erhalten
werden konnte, musste um 1938 die Arbeit mit dem Wasserrad aufgegeben werden. Es
wurde ein Kraftmotor angelegt, mit dem bis ca. 1946 weitergemahlen wurde. Danach
lag die Mühle still und wurde von der Müllerfamilie Pieper käuflich erworben,
die sie heute noch besitzt.
Von der Mühle ist nichts mehr zu sehen, nur noch der Mühlenteich ist
vorhanden. Seine Verbindung zur Großen Aue ist freilich unterbrochen, da diese
im Zuge der Regulierung tiefer gelegt wurde.
