20.10.11 Home
Die Große Aue (im Oberlauf erst Aue
und dann auch Neuer Mühlenbach bzw. Mühlbach) ist ein 84,5 km
langer, südwestlicher bzw. linker Nebenfluss der Weser im
nördlichen Nordrhein Westfalen und im Mittelteil von Niedersachsen.
Sie entspringt auf einer Quellenhöhe von 130 m ü. NN als Aue in Nordrhein-Westfalen südlich des
Wiehengebirges in Bieren - Dono (im Nordwesten von Rödinghausen -
Bieren). Dono ist vor allem durch die ausgedehnten Pferdekoppeln des
Gestüts Auenquelle geprägt. Nach 1 1/2 Kilometern
wendet sie sich nach Norden und heißt ab der Einmündung des aus Westen (Schwenningdorf)
kommenden Nordbachs Große Aue. Sie durchquert einen Durchbruchstal das
Wiehengebirge. Dabei verliert sie 40 Höhenmeter und treibt 2 Mühlen, so dass
sie im Einschnitt durch den Wiehen - Hauptkamm Neuer Mühlenbach genannt wird,
nach der Schwenningdorfer Neuen Mühle. Weiter unten bei Fiegenburg übernimmt
sie gar von einem westlichen Zufluss, der das gesamte Eggetal entwässert, den
Namen Mühlbach und treibt als solcher die Mühle von Gut Grollage an. In Bad
Holzhausen endet die Bezeichnung „Mühlenbach“. Hier erreicht die Große Aue
die Norddeutsche Tiefebne. Bei Flusskilometer 70,6 unterquert der
Fluss den Mittellandkanal in Hedem. Am Westrand von Espelkamp
(Flusskilometer 65) wurden in der Flussaue jenseits des Deiches zwei kleine
Seen angelegt, der Große Auesee und der See am Kleihügel. Dann verläuft sie westlich vorbei
an Rahden in Richtung Norden bis nach Prußisch Ströhen. Hier fließen die
Kleine Aue und der Große Dieckfluss in die Große Aue. Anschließend überquert
sie die Grenze zu Niedersachsen. Über Wagenfeld -Ströhen verläuft die
Große Aue nach Barenburg. In dieser Gegend wendet sie sich allmählich nach
Osten und erreicht Steyerberg, wo sie nach Nordosten abknickt. Vorbei an
Liebenau fließend gelangt ihr Wasser nach Binnen, das sich 6 km südlich
von Nienburg befindet, um nordöstlich bzw. knapp unterhalb der Ortschaft von
Südwesten kommend in die Weser zu münden. Sie erreicht insgesamt eine
Fließlänge von knapp 85 km.
Naturbericht Große Aue
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Unsere Großeltern kannten die
Flusslandschaft noch als einen intakten Lebensraum für Tiere und Pflanzen. In
Hochwasserperioden, besonders während der Schneeschmelze im Frühling, nahmen
die flussnahen Wiesen und Felder große Wassermengen auf und verschonten somit
die Wohngebiete vor Überschwemmungen.
Zu Zeiten der Flurbereinigung wurde dann im
Jahre 1956 alles anders. Der Flusslauf wurde begradigt und vertieft, die Ufer
trapezförmig angelegt und sogar das ursprüngliche Flussbett wurde
teilweiseaufgegeben. Der in ein Korsett eingezwängte Fluss erhöhte die Fließgeschwindigkeit
spürbar. Die Feuchtwiesen und Auewälder, die zuvor noch unzähligen Tier- und
Pflanzenarten einen Lebensraum boten, verschwanden.
30 Jahre später kommt die Wandlung. Nach
intensiven Bemühungen des Mühlenkreises entschied sich die Landesregierung
Mitte der 80 er Jahre, die Große Aue zu renaturieren. Es sollte wieder eine
Flusslandschaft mit Auwäldern, Hochstaudenfluren, Schilfflächen und sonstiger
auentypischer Vegetation entstehen. Für die Nutzung der Grünflächen wurde
eine extensive Weidewirtschaft vorgesehen.
Bevor mit der Umgestaltung der Landschaft
begonnen werden konnte, mussten noch einige Hürden überwunden werden, denn das
Gebiet befand sich in Privatbesitz und wurde landwirtschaftlich genutzt. Das Amt
für Agrarforderung in Bielefeld hat durch Ankauf und Tausch das gesamte Areal
erworben und in öffentliches Eigentum überführt. Zeitgleich arbeitete ein
Arbeitskreis an der Planung der neuen Flusslandschaft.
Mit dem Ausbau der Flusslandschaft wurde
1989 begonnen. Bis heute sind 16 Bauabschnitte mit einer Gesamtlänge von 23 km
fertig. Auf dem 13 km langen Flussabschnitt zwischen seiner Quelle und Espelkamp
fließt der Fluss mit starkem Gefälle. In verschiedenen Abschnitten wurde hier
der Uferbereich mit standortgerechten Gehölzen bepflanzt und die Uferböschungen
teilweise überarbeitet.
Zwischen Espelkamp und Preußisch Ströhen
fließt die Große Aue nur mit geringem natürlichen Gefälle durch eine
Niederung. Das Flussbett der alten, begradigten Aue wurde hier erhalten und in
den neuen Plan integriert. Parallel dazu entstand ein neuer Flusslauf mit unzähligen
Mäandern und naturnaher Ufergestaltung, Stillgewässer, Polder, Brachflächen
und Feuchtwiesen ergänzen die von Fachleuten gestaltete Landschaft. Auf einer Länge
von ca. 10 km wurden neue Deiche errichtet.
Hierdurch entstanden bis zu 300 m breite
Feuchtwiesen und Polder, die bei Hochwasser auf einer Fläche von 200 ha bis zu
2 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen können. Durch diese Baumaßnahmen wird
die Hochwassergefahr für Espelkamp und Rahden deutlich reduziert. Die
Uferbereiche der altem "Großen Aue" wurden in diesem Bereich
teilweise abgeflacht und renaturiert. Hier haben sich ansehnliche Röhrichtbestände
und feuchtigkeitsliebende Gehölze wie Weiden und Erlen angesiedelt. Des
weiteren entstanden aber auch Steilufer, die seltenen Vögeln wie Eisvogel und
Uferschwalbe Nistmöglichkeiten bieten.
Das neue Flussbett hat mehrere Verbindungen
zum alten Verlauf und ermöglicht so Fischen und anderen Wassertieren die
Wanderung in ihre Laichgebiete.
Die neu entstandenen Wiesen und Weiden benötigen
allerdings regelmäßige Pflege, damit sie nicht von Büschen und bäumen
erobert werden. Die ortsansässigen Landwirte leisten hier wichtige Arbeit und
schaffen durch die Erhaltung der Feuchtwiesen, Mager- und Fettweiden
ausgezeichneten Lebensraum für die Flora und Fauna.
Die Verantwortung für die Pflege des
Gebietes hat die Biologische Station Minden - Lübbecke übernommen. Sie
veranstaltet hier aber auch Führungen, Vogelstimmenexkursionen und hält Vorträge
über die Entwicklung der Großen Aue.
Die Große Aue hat sich bisher sehr gut
entwickelt, wobei die Gesamtentwicklung sicherlich noch nicht abgeschlossen ist.
Viele seltene Tier und Pflanzenarten haben sich ohne direkte menschliche Hilfe
bisher hier angesiedelt. Unter ihnen befinden sich immerhin 42 Pflanzenarten, 14
Brutvogel, 9 Libellen-, 5 Fisch- und 7 Heuschreckenarten auf der Roten Liste der
vom Aussterben bedrohten Arten.
Die Fischbestände in der von Menschenhand geschaffenen Flusslandschaft haben
sich sehr positiv entwickelt. Neben Hecht, Gründling und Schleie sind auch
Raritäten wie Steinbeißer, Moderlieschen und Schlammpeitzger vertreten. Home
| Brutvögel | Bekassine, Braunkehlchen, Eisvogel, Feldschwirl, Knäkente, Krickente, Neuntöter, Pirol, Rohrweihe, Schafstelze, Sumpfohreule, Teichrohrsänger, Wasserralle, Zwergtaucher |
| Pflanzen | Acker-Filzkraut, Dreifurchige, Wasserfenchel, Englischer Ginster, Faden-Binse, Gefleckter Schierling, Nadel-Sumpfsimse, Rotgelber Fuchsschwanz, Schild-Ehrenpreis, Schwanenblume, Seggen (5 verschieden), Spiegeln des Laichkraut, Sumpf-Haarstrang, Sumpf-Sternmiere, Tannenwedel, Teufelabbiss, Wasserfeder, Wasser-Greiskraut |
| Fische |
Bitterling, Hecht, Moderlischen, Rotfeder, Steinbeißer |
| Heuschrecken | Große Goldschrecke, Heidegrashüpfer, Sumpf-Grashüpfer, Sumpfschrecke sowie Wiesengrashüpfer |
| Libellen | Fledermaus-Azurjungfer, Gebänderte Hedelibellen, Gemeine Smaraglibelle, Glänzende Binsenjungfer, Große Moosjungfer, Südliche Binsenjungfer |